Erbschaft Spanien: Anwendbares Erbrecht, notwendige Unterlagen, Nachlassabwicklung

Nachlassabwicklung Erbschaft Spanien mit Immobilie

Stirbt ein Deutscher, Österreicher oder Schweizer StaatsbĂŒrger mit Vermögen in Spanien, wie etwa einer Eigentumswohnung auf Teneriffa oder einer Finca auf Mallorca, mĂŒssen die Erben vieles beachten. Auf dieser Seite finden Sie wichtige Informationen zu einer Erbschaft in Spanien.

Bei einer internationalen Erbschaft mit Vermögen in Spanien stellt sich zum einen die Frage, welches Erbrecht welchen Landes die Rechtsgrundlage fĂŒr eine Rechtsnachfolge von Todes wegen ist. Trotz EU sind die Regelungen zum Erbrecht in Spanien, Deutschland, Österreich oder der Schweiz zum Teil sehr unterschiedlich.

Ebenso mĂŒssen die notwendigen Unterlagen fĂŒr die formalrechtliche Nachlassabwicklung in Spanien zum Zwecke der Umschreibung von Immobilien, Konten oder anderen Werten auf die Erben zusammengestellt werden. Wenn alle Vermögenswerte der Erbschaft in Spanien bekannt sind, kann vorab die spanische Erbschaftssteuer berechnet werden. NĂ€chster Schritt ist dann die Unterzeichnung der notariellen Erbannahme bei einem spanischen Notar.

Die FormalitĂ€ten zur Beisetzung in Spanien, der Beauftragung eines Bestattungsinstituts oder der ÜberfĂŒhrung eines Sargs oder einer Urne sind von den rechtlichen Schritten und Voraussetzungen zu trennen und werden hier nicht weiter thematisiert. Dazu finden Sie auf den Seiten der deutschen Konsulate in Spanien weitere Informationen.

Haben Sie Fragen?

Rechtsanwalt & Abogado Alexander Cebulla berÀt Sie in deutscher Sprache zu rechtlichen Fragen rund um Ihre Immobilie in Spanien.

Internationaler Erbfall in Spanien

Jede internationale Erbschaft ist immer etwas anders und es gibt nie den typischen Standardfall. Folgende Konstellationen sind zum Beispiel denkbar:

  • Vermögen in verschiedenen LĂ€ndern gehört zur Erbmasse.
  • Staatsangehörigkeit und Wohnsitzland sind unterschiedlich.
  • Der Erblasser hat ein Testament außerhalb des Heimatlandes errichtet.
  • Der Erblasser ist in GĂŒterstand eines anderen Landes verheiratet.
  • Ein auslĂ€ndisches Gerichtsurteil ĂŒber den Nachlass liegt vor.
Disclaimer: Die Hinweise auf dieser Seite sind allgemeiner Natur und können eine einzelfallbezogene Rechtsberatung nicht ersetzten.

Erbschaft Spanien: Anwendbares Erbrecht

erbrecht spanien wohnsitz staatsangehörigkeit

Die Unterschiede zwischen den Rechtsordnungen auf den beiden Seiten der PyrenÀen sind zum Teil erheblich. Je nachdem, welches Landesrecht zur Anwendung kommt, sind etwa Erbquoten nach der gesetzlichen Erbfolge oder Pflichtteile nach deutschem, österreichischen, schweizerischem oder spanischem Erbrecht jeweils ganz anders zu beurteilen.

Bei TodesfĂ€llen vor 2015 stellten sowohl das deutsche wie auch das spanische Recht hierfĂŒr auf die Staatsangehörigkeit des Erblassers ab. Personen mit deutschem Pass erbten nach deutschem Erbrecht und Personen mit spanischer NationalitĂ€t nach spanischem Recht. Auf den Wohnsitz kam es nicht an.

Die EuropÀische Erbrechtsverordnung

Bei TodesfÀllen ab August 2015 gilt nun die EuropÀische Erbrechtsverordnung (EU-ErbVO). Diese EU-Norm stellt auf den gewöhnlichen Aufenthaltsort des Erblassers ab (Art. 4, 21 EuErbVO), sofern keine Rechtswahl in einem Testament getroffen wurde (Art. 22 EuErbVO).

Die EuErbVO ist innerhalb der EU universell anwendbares Recht und gilt damit auch bei Schweizern, die in der EU (in Spanien) ihren Wohnsitz bzw. gewöhnlichen Aufenthalt haben.

Wenn also Rentner z. B. aus Deutschland oder der Schweiz ihren Lebensabend in Spanien verbringen und kein Testament erstellt haben, dann erben deren Kinder nach spanischem Recht. Es kann sogar das regionale Foralrecht einer autonomen Region oder einer Insel anwendbar sein, wenn dort der gewöhnliche Aufenthalt war.

Den zentralen Begriff des gewöhnlichen Aufenthaltes definiert die EuErbVO leider nicht weiter, was in der Praxis zu Rechtsunsicherheiten fĂŒhren kann. Je nach Einzelfall kann es eine bloße Frage der Argumentation sein, in welchem Land man den gewöhnlichen Aufenthalt annimmt. Wer sich regelmĂ€ĂŸig ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum in Spanien aufhĂ€lt und seinen Erben Rechtsunsicherheiten ersparen will, sollte daher ein gĂŒltiges Testament mit Rechtswahl haben.

Die Rechtswahl erfolgt dadurch, dass man etwa folgenden Satz in sein Testament einfĂŒgt, unabhĂ€ngig davon, in welchem Land oder in welcher Sprache es erstellt wird: „FĂŒr meinen Nachlass soll das Recht meiner Staatsangehörigkeit gelten, also das deutsche Recht.“ Beachten Sie nochmals, dass diese Hinweise eine individuelle Rechtsberatung nicht ersetzen können.

Erbschaft Spanien und das anwendbare EhegĂŒterrecht

Bevor bestimmt werden kann, was zur Erbmasse gehört, muss bei Erbschaften mit ĂŒberlebendem Ehegatten der eheliche GĂŒterstand aufgelöst werden. Welcher Erbe wie viel erbt, hĂ€ngt deshalb nicht nur vom anwendbaren Erbrecht ab, sondern daneben ist auch noch das anwendbare EhegĂŒterrecht entscheidend.

Gerade bei internationalen Sachverhalten kann das mit der neuen Erbrechtsverordnung der EU zu ungewollten Ergebnissen fĂŒhren, wenn z. B. spanisches Erbrecht und gleichzeitig deutsches EhegĂŒterrecht greift.

Unterlagen zur Abwicklung einer Erbschaft in Spanien

Nachfolgend werden die wichtigsten Unterlagen aufgefĂŒhrt, welche fĂŒr die notarielle Erbannahme in Spanien und die einhergehenden FormalitĂ€ten notwendig bzw. sachdienlich sind. Die nachfolgende Liste gewĂ€hrt keinen Anspruch auf VollstĂ€ndigkeit. Je nach Sachverhalt kann es sein, dass noch andere Unterlagen notwendig sind. Falls Sie eines der genannten Dokumente nicht haben, können wir versuchen, bei der Beantragung behilflich zu sein. Am wichtigsten ist dabei das amtliche offizielle Dokument zum Nachweis der Erbenstellung. Nur damit ist eine einvernehmliche Erbschaftsabwicklung möglich.

  • Sterbeurkunde (internationale mehrsprachige Fassung)
  • Bescheinigungen Testamentsregister Spanien, Heimatland, Wohnsitzland, auf spanisch beglaubigt ĂŒbersetzt und mit Echtheitszertifikat (Apostille) ĂŒberbeglaubigt
  • Versicherungspolicen, Rentenpapiere, Unterlagen zur Krankenversicherung und Sozialversicherung, SteuererklĂ€rungen
  • NIE-Nummer / Ausweis / Pass Erbe und Erblasser
  • Nachweis der Erbenstellung: Testament, Erbschein, Erbvertrag, EU-Nachlasszeugnis, falls notwendig beglaubigt ĂŒbersetzt und mit Echtheitszertifikat (Apostille) ĂŒberbeglaubigt
  • Bei Immobilien in Spanien: GrundbuchauszĂŒge, IBI-Belege, Rechnungen der Versorgungsunternehmen, Unterlagen der EigentĂŒmergemeinschaft
  • Bei vermieteten Immobilien in Spanien: MietvertrĂ€ge
  • letzte KontoauszĂŒge, Banksaldenauskunft spanischer Banken
  • In Spanien zugelassener PKW: Fahrzeugpapiere im Original
  • ggf. weitere Unterlagen je nach Einzelfall

Nachweis der Erbenstellung

Die Erbenstellung ist durch eine öffentliche Urkunde nachzuweisen. GrundbuchĂ€mter, Notare, Banken, Versicherungen etc. verlangen fĂŒr eine Auszahlung oder eine Umschreibung einen amtlichen Nachweis darĂŒber, wer der Erbe ist.

GemĂ€ĂŸ Art. 14 Abs. 1 der spanischen Grundbuchordnung (Ley Hipotecaria) werden die nachfolgend genannten Urkunden zur Eintragung des Rechtsnachfolgers im Grundbuch akzeptiert.

  • Ein spanisches Testament Testamento
  • Ein spanischer Erbvertrag Contrato sucesorio
  • Eine notarielle Feststellung der gesetzlichen Erbfolge, wenn der Erblasser ohne Testament verstarb Acta de notoriedad para la declaraciĂłn de herederos abintestato
  • Bescheinigung der Verwaltung ĂŒber die gesetzlichen Erben, wenn der Staat erbt DeclaraciĂłn administrativa de heredero abintestato a favor del Estado
  • Das EuropĂ€ische Nachlasszeugnis Certificado Sucesorio Europeo

In der genannten Norm nicht erwÀhnt, aber ebenso akzeptiert, werden auslÀndische Gerichtsurteile, gerichtlich eröffnete handschriftliche Testamente, der deutsche oder schweizerische Erbschein, die österreichische Einantwortungsurkunde oder auch notarielle ErbvertrÀge oder notarielle Testamente aus anderen LÀndern.

Urkunden, welche nicht in spanischer Sprache verfasst sind, mĂŒssen von einem öffentlich bestellten Übersetzer beglaubigt ĂŒbersetzt und mit einem Echtheitszertifikat (der sog. Apostille) ĂŒberbeglaubigt werden. Das ist zwingende Voraussetzung zur Anerkennung einer auslĂ€ndischen öffentliche Urkunde in Spanien.

EuropÀisches Nachlasszeugnis (ENZ)

Mit der im August 2015 in Kraft getretenen EuErbVO wurde das EuropĂ€isches Nachlasszeugnis (ENZ) eingefĂŒhrt. Mit diesem Dokument können Erben ihr Erbrecht in allen EU-Mitgliedsstaaten einheitlich direkt nachweisen, ohne dass zusĂ€tzliche Verfahren oder zusĂ€tzliche FormalitĂ€ten zur Anerkennung notwendig sind.

In der Theorie klingt das zunĂ€chst einmal praktisch und gut. In der Praxis ist der Erbschein jedoch meistens besser, da sich Notare und GrundbuchĂ€mter in Spanien an die Erbscheine gewöhnt haben und mit diesen vertraut sind. Ein Dokument auf Deutsch ohne Apostille fĂŒhrt bei vielen spanischen Beamten instinktiv zur Ablehnung.

Um das komplizierte mehrseitige Dokument zu verstehen, wird dann zusĂ€tzlich eine beglaubigte Übersetzung verlangt, welche bei einem ENZ teurer ist als bei einem einseitigen Erbschein. Weiterer Nachteil des ENZ ist die GĂŒltigkeitsdauer von nur sechs Monaten. Erbscheine oder gerichtlich eröffnete Testamente sind dagegen unbegrenzt gĂŒltig.

Das ENZ ist daher nur als eine weitere Möglichkeit zum Nachweis der Erbenstellung in Spanien zu sehen, welche zu den bisherigen Möglichkeiten hinzugekommen ist. Erbscheine und Einantwortungsurkunden werden auch weiterhin anerkannt und wurden durch das ENZ nicht abgeschafft.

Ob die Beantragung und die Verwendung des ENZ im konkreten Fall sinnvoll sein kann, kommt auf die UmstĂ€nde des Einzelfalls an. Bei Vermögen in mehreren EU-LĂ€ndern oder zur Benutzung außerhalb Spaniens, wenn der letzte Aufenthaltsort des Erblassers in Spanien war, könnten solche FĂ€lle sein.

Sterbeurkunde

FĂŒr die juristische und steuerliche Regelung des Nachlasses in Spanien muss zudem eine Sterbeurkunde der verstorbenen Person vorliegen. Diese ist bei verschiedenen Behörden und Banken gemeinsam mit den anderen Unterlagen vorzulegen. Mit der Todesurkunde wird der Tod einer Person sowie dessen Ort und Zeitpunkt offiziell bescheinigt.

Die Beantragung einer Sterbeurkunde erfolgt in Deutschland und Österreich beim Standesamt und in der Schweiz beim Zivilstandsamt, in dessen Bezirk die verstorbene Person ihren letzten Wohnsitz hatte. Sollte der letzte Wohnsitz in Spanien gewesen sein, erfolgt die Beantragung der Sterbeurkunde beim Registro Civil (vor Ort, per Post oder ĂŒber die Webseite des Justizministeriums) oder beim zustĂ€ndigen Juzgado de Paz.

Beachten Sie Folgendes: Die Sterbeurkunden können in einer internationalen mehrsprachigen Fassung beantragt werden. Es gibt ein internationales Übereinkommen ĂŒber die Ausstellung mehrsprachiger AuszĂŒge aus Zivilstandsregistern, welches am 8. September 1976 in Wien unter anderem von Deutschland, Österreich, der Schweiz und auch von Spanien unterzeichnet wurde. Eine internationale Sterbeurkunde, welche mehrsprachig gemĂ€ĂŸ diesem Übereinkommen ausgestellt wurde, wird auch in den jeweils anderen LĂ€ndern direkt anerkannt, ohne dass eine beglaubigte Übersetzung oder eine Echtheitsbescheinigung (Apostille) notwendig ist.

Testamentsregisterauszug

Viele LĂ€nder haben zentrale Testamentsregister, darunter auch Deutschland, Österreich, die Schweiz und Spanien. FĂŒr die Nachlassabwicklung in Spanien ist in jedem Falle ein Auszug aus dem spanischen Testamentsregister zu beantragen, unabhĂ€ngig davon, wo der letzte Wohnsitz des Verstorbenen war.

In vielen FĂ€llen wird dann vom spanischen Notar oder dem spanischen Grundbuchamt zusĂ€tzlich noch ein Testamentsregisterauszug aus dem Heimatland verlangt. Das macht auch Sinn, schließlich soll dem letzten Willen Geltung verschafft werden und es soll kein Testament oder Erbvertrag aus einem anderen Land ĂŒbersehen werden.

Außerhalb Spaniens bekommt man einen Auszug aus dem ZTR meistens am einfachsten mit der Hilfe eines vor Ort ansĂ€ssigen Notars. Teils kann man sich aber auch direkt an ein zentrales Testamentsregister zur Nachforschung wenden. Ebenso können die Erben ĂŒber das fĂŒr die Verlassenschaft zustĂ€ndige Nachlassgericht Einsicht bekommen.

In Spanien heißt das zentrale Testamentsregister Registro General de Actos de Última Voluntad – abgekĂŒrzt RGAUV. Eine BestĂ€tigung ĂŒber dort registrierte oder nicht registrierte Testamente kann in den HauptstĂ€dten der Provinzen persönlich bei den Außenstellen des Justizministeriums beantragt werden. HierfĂŒr muss eine internationale Sterbeurkunde im Original vorgelegt werden und es muss eine kleine BearbeitungsgebĂŒhr entrichtet worden sein.

Lebensversicherungen

Neben dem Testamentsregister gibt es in Spanien auch ein zentrales Register fĂŒr Lebensversicherungen und anderer Versicherungen, die beim Ableben einer Person zur Auszahlung fĂ€llig werden.

Gerade bei Personen, die in Spanien ihren letzten Wohnsitz hatten, ist gut möglich, dass eine Lebensversicherung zugunsten der Erben oder anderer BegĂŒnstigter abgeschlossen wurde. Spanische Banken knĂŒpfen vergĂŒnstigte Konditionen fĂŒr ihre Leistungen bei Darlehen oftmals an die Bedingung, dass der Kunde eine Lebensversicherung bei ihnen abschließt.

Die Erben oder die BegĂŒnstigten einer Lebensversicherung wissen oftmals nicht, dass ein Anspruch auf Auszahlung besteht. Das Register fĂŒr Lebensversicherungen in Spanien hilft insoweit, dass die BegĂŒnstigten auch zu ihrem Recht kommen. Ein Anspruch aus einer Lebensversicherung ist aber nicht Teil der Erbmasse. Wer eine Auszahlung aus einer Lebensversicherung erhĂ€lt, muss nicht zwingend Erbe sein.

Die Beantragung des Auszuges aus dem spanischen Register fĂŒr Lebensversicherungen erfolgt bei derselben Behörde und funktioniert genauso wie die Beantragung des Testamentsregisterauszuges. Da der spanische Testamentsregisterauszug ja in jedem Fall beantragt werden muss, macht es Sinn, bei dieser Gelegenheit direkt auch immer einen Registerauszug des Versicherungsregisters einzuholen.

Inventar

Je nach Konstellation und Umfang der Erbmasse sollte ein Inventar fĂŒr Spanien bzw. fĂŒr die gesamte weltweite Erbmasse erstellt werden, falls dies noch nicht geschehen ist. Gerade bei komplexeren Erbschaften behĂ€lt man so den Überblick und manchmal kann die Erstellung eines Inventars auch aus GrĂŒnden der Haftungsbegrenzung notwendig und sinnvoll sein.

Schließlich sind nicht nur die Aktiva ein Teil der Erbmasse, sondern auch mögliche Schulden des Erblassers gehen auf die Erben ĂŒber, selbst wenn diese nicht explizit in der notariellen Erbannahme genannt werden.

Auf der Seite der Aktiva finden sich typischerweise NachlassgegenstĂ€nde wie z. B. Immobilien, Bankkonten oder ein in Spanien zugelassener Pkw oder ein Boot. Genauso sind hier alle anderen WertgegenstĂ€nde aufzufĂŒhren, Kunstwerke, Bargeld oder Inhalt eines Banksafes. DemgegenĂŒber stehen auf der Seite der Passiva die Schulden und Verbindlichkeiten des Erblassers.

Immobilien in Spanien Teil der Erbmasse

FĂŒr den Fall, dass zu der Immobilie oder den Immobilien in Spanien Unterlagen nur unvollstĂ€ndig vorliegen, können wir mit dem Namen des Erblassers und groben Ortsangaben nach den GrundbuchauszĂŒgen suchen.

Auch beim spanischen Katasteramt kann ein Bescheid zu allen dort registrierten Immobilien einer Person beantragt werden. Theoretisch kann es aber vorkommen, dass eine Immobilie des Erblassers weder im Grundbuch noch im spanischen Kataster eingetragen ist, daher ist gut, wenn auch die alten Unterlagen des Erblassers durchgesehen wurden.

Hilfreich ist auch, wenn Sie Belege der IBI-Grundsteuer haben, sowie Kopien von Rechnungen der Versorgungsunternehmen fĂŒr Strom, Wasser oder Gas.

Die Bewertung der Immobilien ist ein separates Thema, zu welchem Sie auf der Seite zur Erbschaftssteuer weitere Hinweise finden.

Banksaldenauskunft zum Todestag

Fast jeder Erblasser, der eine Immobilie in Spanien hatte, hat auch ein Bankkonto in Spanien. Bankkonten oder andere Bankprodukte bei spanischen Kreditinstituten sind naturgemĂ€ĂŸ ein Teil des in Spanien abzuwickelnden Nachlasswertes.

Eine solche Auskunft ĂŒber bestehende Banksalden zum Todestag erhĂ€lt man bei der Filiale oder Bank, wo der Erblasser sein Konto unterhielt. Jede Bank habt diesen Vorgang ein bisschen anders. Nötig sind aber in jedem Falle Ausweiskopien und die NIE-Nummern der Erben und des Erblassers. Ebenso muss die Sterbeurkunde im Original vorgelegt werden, nebst einem Nachweis der Erbenstellung.

Sobald die Bank von dem Tod ihres Kunden erfĂ€hrt, wird das Konto gesperrt. EinzugsermĂ€chtigungen fĂŒr Strom oder Steuern funktionieren meist auch danach noch weiter, falls entsprechende Deckung auf dem Konto vorhanden ist.

Wichtig ist, dass Sie als Erbe wissen oder herausfinden, bei welchen spanischen Banken Konten existierten. Wenn dazu keine Informationen vorhanden sind und auch keine KontoauszĂŒge oder Schreiben einer Bank auffindbar sein sollten, findet man ggf. Informationen zu Konten auf SteuererklĂ€rungen des Erblassers. Im Übrigen bliebe nur der extrem aufwendige Weg von Bank zu Bank, um jeweils nachzufragen, ob Konten vorhanden sind.

FĂŒr die Auflösung von Bankkonten bzw. die Auszahlung oder Umschreibung auf Erben muss die Erbschaft formell angenommen worden sein und die Erbschaftssteuer muss bezahlt worden sein, was man der Bank nachweisen muss. Leider bauen die Banken auch in Spanien immer weiter Mitarbeiter ab und schließen immer mehr Filialen, sodass diese eigentlich relativ simplen VorgĂ€nge – gerade noch in Verbindung mit den Corona-EinschrĂ€nkungen – extrem zeitintensiv werden können.

Passiva und Gefahr einer ĂŒberschuldeten Erbschaft

Mit der Annahme der Erbschaft gehen nicht nur die Aktiva auf den oder die Erben ĂŒber, sondern auch die möglichen Schulden und Verbindlichkeiten des Verstorbenen. Ein Erbe haftet vom Grundsatz her mit seinem eigenen Vermögen fĂŒr Schulden des Erblassers, sofern die Höhe der Verbindlichkeiten den Wert der Aktiva ĂŒbersteigt.

Wenn die Beziehung zum Erblasser gut und eng war, dann wĂŒrde man als Erbe von möglichen Schulden natĂŒrlich wissen. Insofern ist dieser Punkt fĂŒr die meisten Erben nicht relevant. Wenn die Beziehung aber schlecht war oder es gar keinen Kontakt gab, sieht die Sache anders aus.

Falls Schulden oder Verpflichtungen vorhanden sind oder sein könnten, muss man als Erbe vorsichtig sein. Entscheidend ist hier zunÀchst, sich möglichst umfassend zu informieren und die entsprechenden Informationen zusammenzustellen. Je nach Höhe der Verbindlichkeiten kann dann die Ausschlagung der Erbschaft in ErwÀgung gezogen werden.

Daneben gibt es aber auch andere Möglichkeiten der Haftungsbegrenzung, ohne auf die Erbschaft verzichten zu mĂŒssen. Nach spanischem Recht gibt es die Figur der Erbannahme A Beneficio de Inventario, wodurch ein Erbe nur mit Vermögen aus dem Nachlass haftet, nicht jedoch mit eigenem Vermögen. Auch im deutschen Recht, welches ebenso auf die Erbschaft anwendbar sein kann, finden sich Möglichkeiten der Haftungsbegrenzung. Eine individuelle Beratung ist in einem solchen Falle unabdingbar.

Die notarielle Erbannahme in Spanien

Erbannahme Notar Spanien Escritura Unterzeichnung

Wenn alle notwendigen Dokumente vorhanden sind und alle strategischen Fragen (Erbschaftssteuern, Ausschlagung etc.) geklÀrt sind, kann bei einem Notar in Spanien ein Termin zur Unterzeichnung der notariellen spanischen Erbannahmeurkunde vereinbart werden. Diese Urkunde nennt man Escritura de Aceptación de Herencia.

In den meisten FĂ€llen muss die Erbannahme bei einem spanischen Notar unterzeichnet werden. In manchen FĂ€llen, z.B. bei Alleinerben, kann auch die privatschriftliche Erbannahme in einem privaten Dokument auf Spanisch ausreichen.

ZustÀndigkeit Erbschaft Spanien

Wenn Immobilien oder Konten in Spanien vorhanden sind, greifen automatisch die spanischen FormalitÀten und es sind spanische Institutionen zustÀndig, obwohl möglicherweise deutsches oder sonstiges auslÀndisches Erbrecht auf die Erbschaft anwendbar ist.

ZustĂ€ndig fĂŒr die Erbschaftsabwicklung sind in der Regel die spanischen Notare. Nur in EinzelfĂ€llen oder bei Streitigkeiten mĂŒssen die Gerichte betraut werden. Ein Nachlassgericht wie in Deutschland gibt es in Spanien nicht.

Eine notarielle Urkunde bei einem spanischen Notar zur formellen Abwicklung der Erbschaft lÀsst sich trotz EU und fortschreitender Vereinheitlichung bislang kaum vermeiden. Dieser Urkunde kann dabei aber ohne weiteres auch deutsches, österreichisches oder schweizerisches Erbrecht zugrunde liegen.

Welche Funktion hat ein spanischer Notar bei der Erbannahme?

Die TĂ€tigkeit der Notare in Spanien beschrĂ€nkt sich vor allem auf die Identifizierung der Parteien und die Beglaubigung selbst. Die spanischen Notare kĂŒmmern sich nicht um die Beantragung von fehlenden Dokumenten, die Einreichung des Erbschaftssteuerformulars beim Finanzamt und die Grundbucheintragung. Auch eine Rechtsberatung wird, wenn ĂŒberhaupt, nur bei rein spanischen StandardfĂ€llen angeboten. Es wird nur geprĂŒft, ob alle Unterlagen in Ordnung sind und die IdentitĂ€t der unterzeichnenden Parteien bestĂ€tigt.

Beachten Sie, dass die spanischen Notare und Behörden bei TodesfĂ€llen auch nicht von Amts wegen automatisch tĂ€tig werden und die Regelung des Nachlasses einleiten. Der oder die Erben mĂŒssen selbst die Schritte zur Erbschaftsabwicklung einleiten oder hierfĂŒr einen Anwalt beauftragen.

Welcher Notar ist fĂŒr den Nachlass zustĂ€ndig?

FĂŒr den Fall, dass vorab eine Feststellung der gesetzlichen Erbfolge erfolgen muss und der Erblasser in Spanien ansĂ€ssig war, ist der Notar des letzten Wohnsitzes zustĂ€ndig. Im Übrigen kann man sich an jeden beliebigen Notar in Spanien wenden, egal wo die Erbmasse ist.

Bis auf die genannte Ausnahme ist es kein Problem, die notarielle Erbschaftsannahme z. B. auf Mallorca zu unterzeichnen, obwohl sich Immobilien auf den Kanaren oder in Murcia oder in sonstigen anderen Regionen Spaniens befinden.

Erbschaft Spanien: Kosten

Konto Spanien Erbschaft Auskunft Banksalden zum Todestag

Die Kosten bei einer Erbschaft in Spanien können unterschiedlich ausfallen. Ein wichtiger Punkt ist hier die Erbschaftssteuer, welche je nach Umfang der Erbmasse und Beziehung zwischen Erben und Erblasser unterschiedlich hoch ausfallen kann.

Wenn Erben nicht vor Ort in Spanien leben oder der Sprache nicht mĂ€chtig sind, ist es unumgĂ€nglich, einen Anwalt zur Erbschaftsabwicklung zu beauftragen, wofĂŒr entsprechende Honorare anfallen.

Daneben fallen GebĂŒhren des Grundbuchamtes und NotargebĂŒhren an, welche sich in der Regel im mittleren bis oberen dreistelligen Bereich bewegen. Weitere Kosten bei einer Erbschaft in Spanien sind kleinere VerwaltungsgebĂŒhren, etwa fĂŒr die NIE-Nummer, die Sterbeurkunde oder einen Grundbuchauszug, Kosten fĂŒr eine notarielle Vollmacht, Reisekosten und natĂŒrlich auch andere Kosten, wie etwa fĂŒr die Bestattung oder die RĂ€umung einer Wohnung.

Erbannahme durch Erbengemeinschaft

Wenn mehrere Personen erben, entsteht eine Erbengemeinschaft. Die notarielle Erbannahme in Spanien kann nur von allen Erben gemeinsam unterzeichnet werden. Nach der Annahme der Erbschaft und entsprechender Zuweisung eines Erbteils an jeden Erben wird jeder Erbe separat entsprechend seinem Erbanteil ins spanische Grundbuch eingetragen. Bei einem spĂ€teren Verkauf der Immobilie verkauft jeder Erbe seinen entsprechenden Anteil an den KĂ€ufer. Damit der KĂ€ufer 100 % des Eigentums erwirbt, mĂŒssen alle Erben einstimmig zustimmen.

Benötigen alle Erben eine NIE-Nummer?

Ja. Ohne NIE kein Grundbucheintrag. Auch die Erbschaftssteuer kann nur mit NIE bezahlt werden. Alle Erben benötigen daher zwingend eine NIE-Nummer. Diese muss vor Unterzeichnung der notariellen Erbannahme beim spanischen Finanzamt angemeldet bzw. aktiviert worden sein. Das geht mit dem Formular Modelo 030.

MĂŒssen alle Erben persönlich zum Notartermin anreisen?

Nein. Den anderen Miterben oder dem beauftragten Rechtsanwalt kann eine notarielle Vollmacht zur Nachlassabwicklung erteilt werden. Diese Vollmacht muss den spanischen GebrÀuchen entsprechen, damit sie von den Behörden akzeptiert wird.

Die Erteilung einer solchen Vollmacht kann auch bei Notaren außerhalb Spaniens erfolgen. Den Vollmachttext auf Deutsch und Spanisch bereiten wir Ihnen vor. Zur Wirksamkeit in Spanien muss die Vollmacht nach Unterzeichnung noch mittels eines Echtheitszertifikates (der sog. Apostille) ĂŒberbeglaubigt worden sein.

Welche Befugnisse in die Vollmacht aufgenommen werden, hĂ€ngt vom Einzelfall ab. Wenn der Verkauf der Immobilie gewĂŒnscht ist, kann auch diese Befugnis aufgenommen werden, ansonsten mĂŒssen die Erben zum Notartermin fĂŒr den Verkauf anreisen oder spĂ€ter eine weitere separate Verkaufsvollmacht erteilen.

Wann kann ich eine Immobilie verkaufen?

Nach Unterzeichnung der Erbannahme-Urkunde und Bezahlung der spanischen Erbschaftssteuer steht der Grundbucheintragung nichts mehr im Wege. Rein rechtlich kann die Immobilie auch schon vorab verkauft werden, aufgrund von Haftungsrisiken sollte der Verkauf erst dann erfolgen, wenn die Erbschaft erfolgreich im Grundbuch eingetragen wurde.